Übersichtlich, großzügig, klar strukturiert – und langweilig: das ist der Carrefour. Für jeden vernünftigen Menschen die einfachste Einkaufsmöglichkeit. Dort hat alles seine geregelte Ordnung, die Wagen passen durch die Gänge (auch bei Gegenverkehr) und man findet zurück zur Kasse. Außerdem gibt es neben dem üblichen Lebensmittelangebot auch notwendige Haushaltswaren, Spiele, Schreibwaren und elektronische Geräte.
Doch vernünftig einkaufen mit stets demselben Ergebnis – das tun die Wenigsten. Und ein paar Ehemänner mit vorgeschriebenen Einkaufslisten. Die meisten Frauen haben andere Vorstellungen: Wo bleibt das Abenteuer? Was gibt es zu entdecken? Mit wem kommt man ins Gespräch auf der Suche nach den Dosentomaten? Wer rempelt einen an in engen Gängen bei gewagten Wendemanövern?
Einkaufen als Abenteuer – das gibt es eher beim Delhaize. Besonders, wenn die Filialleitung mal wieder komplett das Sortiment umgestellt hat. Da muss man neue Wege gehen, um die bewährten Produkte zu finden. Da kann man ungeahnte Schätze im gewohnten Käseregal entdecken und nie zuvor gesehen Cornflakessorten. Aber auch ohne vollständige Umstellungsaktionen glänzt der Delhaize in Kraainem mit kreativer Unübersichtlichkeit, kommunikationsfördernden Irrwegen und körperkontaktanregenden Engpässen zwischen Kühltheke und Eierregal. Die Preise der beiden Supermärkte dagegen geben sich nicht viel. Einiges hat Carrefour billiger zu bieten, dafür stehen beim Delhaize mehr Bioprodukte in den Regalen.
Die KassiererInnen sitzen hier nicht
Ein etwas anderes Flair herrscht bei Colruyt. Die gut versteckte Filiale in Kraainem ist auch von Innen was das Verwirrpotenzial angeht unschlagbar. So viele Winkel, Gänge und Nischen - da können selbst belgische Einfamilienhäuser nicht mithalten. In diesem Irrgarten der Regale findet man hauptsächlich Massenwaren von der Palette, entsprechend niedrig fallen viele Preise aus. Ein Pluspunkt: In der Getränkesektion gibt es Glaswasserflaschen in der großen Pfandkiste. Das gibt es selten – und ist doch ökologisch so viel wertvoller als die ollen Plastikflaschen überall. Die Kassenschlangen im Colruyt zeigen deutlich: hier wird schnell und billig gearbeitet, für Laufbänder oder Sitzplätze für die Kassierer ist keine Zeit und kein Platz. Also sind auch wir schnell wieder raus hier.
Gibt es noch Alternativen zu den drei Großen? Natürlich fallen einem da Lidl und Aldi ein, beide hinlänglich aus Deutschland bekannt. Lidl fährt mit demselben Sortiment wie in Deutschland, Aldi hat sein Angebot ein wenig angepasst. Preislich ist letzterer wie immer nicht zu unterbieten.
Etwas ganz anderes zu bieten hat der Biosupermarkt am Stokkel, der sich in den letzten zwei Jahren vom verstaubten Bioladen zum tatsächlich gut sortierten Bio-Supermärktchen gemausert hat. Viele deutsche Produkte sind hier im Angebot, glutenfreie Lebensmittel ebenso wie Bio-Kosmetika. Das frische Brot schmeckt gut und gesund, die spärlichen Obst- und Gemüsesorten sehen redlich bio-schrumpelig aus und kosten erstaunlich viel Geld. Hier hat man an der Kasse viel Zeit, die Kunden werden, wenn sie möchten, namentlich geführt und können so die obligatorischen Punkte sammeln.
Dekadente Käsestände
Mit Namen angesprochen werden die Kunden in Robs Gourmet-Supermarkt erst nachdem sie mit der goldenen Kreditkarte ihren Namen preisgegeben haben. Und vielleicht ein paar ältere Damen, die zu der letzten Rob-Filiale in Brüssel aus den entferntesten Vierteln anreisen. Mit „Madame“ und „Monsieur“ jedoch sprechen die auffällig vielen männlichen Verkäufer hier gerne jeden Kunden persönlich an, um ausgesprochen höflich und in mindestens drei Sprachen ihre Waren anzubieten - sei es beim Fischstand mit dem reichhaltigen Angebot an Fisch und Meeresfrüchten, beim geradezu dekadenten Käsestand mit ungefähr zweihundert verschiedenen Käsesorten oder der Fleischtheke voller toter Vögel, die zu verspeisen man zuvor im Traum nicht gewagt hätte.
Allein beim Obst- und Gemüsestand darf der Kunde selbst zwischen zehn verschiedenen Tomatenarten und mindestens acht Apfelsorten wählen – keine davon übrigens aus Belgien. Nun ja, ist ja auch noch nicht die Jahreszeit. Dafür gibt es Bioäpfel aus Neuseeland, wie sinnvoll ist das denn?
Preislich sind die Lebensmittel kaum zu überbieten. Dafür eben gibt es die enorme Auswahl, den Service und den netten Herrn in Hotelpagenuniform, der sich im Eingangsbereich aufhält und einen wichtigen Eindruck hinterlässt. Einen guten Eindruck machen am Ende auch die Kunden in der Kassenschlange (die nie eine wird, da immer genügend Kassen geöffnet sind): Erstaunlich viele Männer in Anzügen und am Handy sprechend stehen zwischen perfekt gestylten Hausfrauen und den reichen älteren Damen. Und ganz sicher sieht man keine bis zum Anschlag vollgestopften Einkaufswagen. Das ist der feine und fatale Unterschied: Wer es sich leisten kann, isst nicht nur besser, sondern auch weniger und gesünder.
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