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Von  Jan Kurlemann

Die "Zehnte Provinz"

Belgische Soldaten 57 Jahre lang in Deutschland

Das Leben der belgischen Soldaten in Deutschland – der Berufssoldaten mit ihren Familien und der Wehrpflichtigen - und ihr Zusammenleben mit den Deutschen in der Nachkriegszeit wird auf einer Ausstellung im Armeemuseum am Brüsseler Jubelpark/Cinquantenaire nachgezeichnet. Es gab "Belgiersiedlungen" mit Schulen und Läden, Kasernen mit den Insignien des belgischen Militärs, Manöver und  Aufmärsche, Sportereignisse und gesellschaftliches Leben, all dies wird an Hand von Sammlerstücken und seltenen Fotos dargestellt. Für Jüngere ist die Ausstellung der Blick in eine unbekannte vergangene, ein wenig exotische Welt.

 

Mit Unterstützung des Museums der belgischen Streitkräfte in Soest (Westfalen) zeigt die Deutsche Botschaft diese Ausstellung "Belgische Soldaten in Deutschland" im Rahmen der Feiern von sechzig Jahren diplomatischer Beziehungen zwischen den beiden Ländern. In Uniform oder "Tenue de Ville" versammelten sich am 3. Mai 2011 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Belgien und Deutschland zur Vernissage.

 

Keine Grenzen zwischen Belgien und Deutschland

 

Prof. Dr. Reinhard Bettzuege, Botschafter der Bundesrepublik, konnte den belgischen Verteidigungsminister Pieter De Crem. seinen Generalstabschef  General Charles-Henri Delcour, Generalleutnant Roland Kather, den Deutschen Militärischen Vertreter in den Militärausschüssen der NATO und der EU und Dominique Hanson, den Direktor des Museums begrüßen.

 

Eine Botschaft des belgischen Astronauten Frank De Winne stellte Bettzuege an den Beginn seiner Rede: Aus dem Weltall sah De Winne keine Grenzen zwischen den beiden Ländern, nur "zwei aufs engste verbundene europäische Nachbarn". Deutschland habe sich immer für Brüssel als Sitz europäischer und von NATO-Institutionen stark gemacht.

 

Beginn als Besatzer

 

Zu sechzig Jahren Zusammenarbeit im gegenseitigen Vertrauen, in Verständnis und Freundschaft hätten die belgischen Streitkräfte in Deutschland 57 Jahre lang, von 1945 bis 2002, einen wichtigen Beitrag geleistet. Für die enge Partnerschaft der beiden Länder sei das Wirken der belgischen Armee ein Beleg.

 

Belgische Soldaten kamen zum Ende des Zweiten Weltkriegs zunächst als Besatzungstruppen in die britische und amerikanische Zone in Deutschland. Auch danach war der überwiegende Teil der belgischen Landstreitkräfte in Deutschland im Rahmen der NATO stationiert. Hunderttausende Wehrpflichtige leisteten ihren Wehrdienst in Deutschland, und Tausende von Berufssoldaten lebten mit ihren Familien im Nachbarland. Vom Militär wurde Deutschland deshalb die "Zehnte Provinz" genannt. Immer intensiver und herzlicher wurde der Kontakt, bis hin zu belgisch-deutschen Ehen.

 

Pieter de Crem hat das Wort

 

Belgiens Verteidigungsminister Pieter De Crem begrüßte die Initiative zu dieser Ausstellung. Er erinnerte daran, dass die belgischen Streitkräfte in Deutschland in 165 deutschen Standorten stationiert waren und über drei Flugplätze und zwei Krankenhäuser verfügten. Zeitweilig lebten 25000 belgische Frauen und Kinder in Deutschland. Mit dem Fall der Mauer und der deutschen Einheit kam es zu einer Neuorientierung der Verteidigungspolitik, und Haushaltskürzungen kamen dazu. Die belgischen Truppen zogen ab.

 

Für die Betroffenen war es eine schwere Wahl - entweder ins Heimatland zurückzukehren oder im Aufnahmeland ("terre d'accueil") zu bleiben. "Das Band ist nicht zerrissen", unterstrich De Crem. Man sehe es heute an der Zusammenarbeit der Streitkräfte in Kundus (Afghanistan), wie früher schon im ehemaligen Jugoslawien. "Es lebe die Freundschaft zwischen Deutschland und Belgien", rief De Crem aus.

Belgier und Deutsche im Gespräch

 

Sie lebt tatsächlich. Belgier und Deutsche, Militär und Zivilisten tauschten nach den Reden Erinnerungen aus - ehemalige belgische Soldaten und Familienmitglieder aus Standorten in einem breiten geografischen Streifen vom Rheinland bis nach Nordhessen an die innerdeutsche Grenze. Manche deutsche Teilnehmer hatten schon als Kinder belgische Schokolade schätzen gelernt, manchmal auch als Jugendliche verbotenerweise unverzollte Nato-Zigaretten bezogen und damit gehandelt. Der Berichterstatter erinnerte sich an seine Zeit als Teenager: „Ich ging sonntags in Bad Arolsen immer in die belgische Messe. Sie war nicht nur dreisprachig - lateinisch, niederländisch und französisch - sie war auch mit Predigt immer noch ein Stück kürzer als die Messe auf Deutsch.“

 

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung wartete Generalleutnant Roland Kather, Deutscher Militärischer Vertreter im NATO-Militärausschuss und im Militärausschuss der EU mit einer Überraschung auf. Botschafter Bettzuege, Oberst der Reserve,  erhielt wegen seiner Verdienste um die Bundeswehr das Verdienstkreuz in Gold.

 

Die Ausstellung im ersten Stock des Militärmuseums im Parc du Cinquantenaire/Jubelpark ist bis zum 4. September 2011 zu sehen.


Erstellt oder aktualisiert am 09. Mai 2011.
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Kommentare

marcel de coninck, 13.08.2011 18:18 Uhr
ik was een van de vele dienstplichtige in de bsd gelegerd te soest kazerne adam 4e medicl klasse 60/61 en zoek noch legervrienden van toen


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