Wirtschaft & Soziales
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Von  Heide Newson

Die Welt vernetzen

Lüttich bewirbt sich um die Weltausstellung 2017

Belgien lädt weltweit zu einem Mega-Event nach Lüttich ein: Die EXPO 2017. Unterstützt wird diese Bewerbung von der Förderalregierung, allen voran Belgiens Außenminister Didier Reynders. Im Beisein von Diplomaten und internationalen Medienvertretern rührte der Minister im Internationalem Presseclub in Brüssel eifrig die Werbetrommel für das ehrgeizige Projekt seiner Geburts- und Lieblingsstadt.

„Belgien lädt die Welt in das Herz Europas ein, kommen Sie schon jetzt nach Lüttich, die Stadt ist wunderschön, die Menschen herzlich und freundlich, der Wechselkurs des Euro günstig.“, sagte Didier Reynders an die Adresse der Gäste, darunter interessierte Chinesen. „Machen Sie sich keine Sorgen, der Euro bleibt, und Lüttich ist preiswert und sicher. Jetzt brauchen wir nur noch Ihre Unterstützung für unser Projekt.“

 

Lüttich vernetzt die Welt

Als Thema der Bewerbung habe man die zwischenmenschliche Kommunikation mit dem Slogan „Connecting the World, linking People, better living Together“ gewählt. Das Thema passe zur Realität Belgiens und Lüttichs mit ihrer günstigen Lage zu Deutschland, den Niederlanden und eigentlich zur ganzen Welt. In einer Zeit, in der Verbindungen, verstärkt über das Internet, soziale Netzwerke und Mobilfunk abgewickelt würden, vor 15 Jahren noch unvorstellbar, sei es sehr wichtig, sich die Grundsatzfrage zu stellen, wie man durch die neuen Technologien Menschen zusammen führen könne, um neue Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Mit dem gewählten Thema wolle man ebenso den erfolgreichen industriellen sowie urbanen Wandel der Region Lüttich symbolisieren und einen positiven Einfluss auf die Welt der nächsten Jahrzehnte ausüben. Gut aufgestellt sei Lüttich, um diese Weltausstellung auszurichten: Die altehrwürdige Universität feiert im Jahr 2017 ihren 200. Geburtstag, die Stadt ist multikulturell, liegt an einem wundervollen Fluss, was eine Stadt stets attraktiver mache, und zudem unterstützt gesamt Belgien die Bewerbung.

 

Nachgefragt bei Belgiens Außenminister Didier Reynders

Belgieninfo: Weltausstellungen sind Mega-Events, bei denen Länder der ganzen Welt eingeladen sind, ihre besten Beiträge zur Entwicklung des Menschen zu präsentieren. Die letzte fand in Shanghai, einer Metropole von Weltruf statt, und war ein Riesenerfolg. Da stellt sich die Frage, ob eine international unbekannte Stadt wie Lüttich ein geeigneter Kandidat zur Ausrichtung einer solch ambitionierten Weltausstellung ist.

Didier Reynders: Die Weltausstellung in Shanghai, bei der wir mit einem belgischen Pavillon vertreten waren, war ein großer Erfolg. Aber auch Belgien hat große Erfahrungen mit Ausstellungen, denken Sie doch nur mal an die Brüsseler Expo im Jahr 1958, woran heute nicht nur das Atomium erinnert. Gleichwohl möchte ich hiermit nochmals betonen, dass es sich bei der Ausrichtung der Weltausstellung um ein nationales Projekt handelt, das von dem gesamten Land mitgetragen wird.

Es war der Stadtrat von Lüttich, der einstimmig beschlossen hatte, die Bewerbung der Stadt für die Weltausstellung im Jahr 2017 einzureichen. Ich stamme aus dieser wunderschönen Stadt, die zudem an einem Fluss liegt, was eine Stadt besonders attraktiv macht. Wir haben einen imposanten Bahnhof, der an die Anforderungen der internationalen Hochgeschwindigkeitszüge angepasst ist, eine altehrwürdige Universität, eine wunderschöne Oper, Museen, und sehr warmherzige, gastfreundliche und tolerante Menschen. Lüttich ist eine sehr offene und faire Stadt, in der mehr unterschiedliche Nationalitäten als in New York zu Hause sind. Und viele Menschen, die in Lüttich leben, wollen nie wieder weg. Als junge und dynamische Stadt im Wandel ist Lüttich für die Expo 2017 der ideale Ausstellungsort.

Belgieninfo: Sind die flämische Regierung, ich denke an Ministerpräsident Kris Peeters und Parlamentsvertreter, der gleichen Meinung? Schließlich gibt es auch in Flandern wunderschöne Städte, die an Flüssen liegen. Ging alles ohne Streit ab, gönnt man Lüttich die Kandidatur?

Didier Reynders: Hiermit betone ich nochmals, dass es sich bei der Bewerbung, die durch die föderale Regierung eingereicht wurde, um ein nationales Projekt handelt. Wichtig war dabei aber, dass die verschiedenen Regierungen des Landes, die drei Regionen, die Gemeinschaften, hinter diesem Projekt stehen und es mittragen. Natürlich mußte das Projekt, auch was die Finanzierung anbetrifft, von allen akzeptiert werden, was der Fall ist. Von flämischer Seite gab es überhaupt keine Probleme. Die Bewerbung Lüttichs wird allgemein befürwortet, auch von einer ganzen Reihe wirtschaftlicher, sozialer, kultureller und wissenschaftlicher Akteure, die den Wunsch geäußert haben, sich an dem Vorhaben zu beteiligen.

Belgieninfo: Was wünscht sich Lüttich von der Deutschsprachigen Gemeinschaft, wie kann sie sich aktiv in das Projekt einbringen?

Didier Reynders: Auch die Deutschsprachige Gemeinschaft steht hinter Lüttich, das gilt für den Ministerpräsidenten, aber auch für das Parlament und die Bevölkerung, was uns ganz wichtig ist. Wegen der Nähe zu Lüttich und zu Deutschland kommt ihr als Brückenfunktion eine sehr bedeutende Rolle zu. Ministerpräsident Karl-Heinz Lambertz unterhält exzellente Kontakte zu den deutschen Bundesländern, von denen wir uns Unterstützung für die Kandidatur Lüttichs erhoffen.

Belgieninfo: Und was erhofft sich Lüttich von der Ausrichtung einer Weltausstellung, die etwa 500 Millionen Euro kosten wird ?

Didier Reynders: Erhalten wir den Zuschlag, so wird Lüttich Pavillons von 156 Staaten aufnehmen und im weltweiten Fokus stehen. Wir gehen davon aus, dass die Expo Lüttich über 6 Millionen Besucher anlocken wird, was beschäftigungsfördernde Investitionen auslösen, und der gesamten Region eine große internationale Bekanntheit bescheren wird. Alle werden gewinnen: Die Bürger von Lüttich, Wallonien, Flandern, Brüssel, die Deutschsprachige Gemeinschaft, aber auch die Einwohner der Euregio Maas-Rhein. Die Weltausstellung bietet dem gesamten Land die Möglichkeit, seine Trümpfe und sein Know-how in den verschiedensten Bereichen zu promoten.

Belgieninfo: Und bei diesem Projekt sind Sie wohl Lüttichs bester Promoter und Fürsprecher, was nicht nur Ihr heutiger Einsatz beweist. Dabei haben Sie als Belgiens Außenminister optimale Möglichkeiten, einflussreiche Leute für die Lütticher Expo zu gewinnen. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass Sie auf den kommenden EU-Gipfeln der Staats- und Regierungchefs für Lüttich tüchtig die Werbetrommel rühren werden.

Didier Reynders: Ja, das werde ich weiter tun. Ich stamme aus Lüttich, und spreche gerne über diese schöne Stadt, für deren Projekt ich während der EU-Gipfeltreffen Werbung machen werde. Dasselbe gilt für das diplomatische Corps Belgiens, dessen Weichen auf 14 Gründe zum „Ja“ zur „2017 Expo Lüttich“ gestellt sind. Wir haben ein attraktives Thema, das jeden anspricht. „Die Welt vernetzen, die Menschen verbinden, das Miteinander fördern,“ wozu die „Weltausstellung Lüttich“ den Ländern eine echte Plattform bieten kann.

Fotos: Liège 2017; Archiv

Hintergrundinfos:

Am 14. Dezember 2009 hatte der Stadtrat von Lüttich einstimmig beschlossen, die Bewerbung der Stadt Lüttich für die Ausrichtung einer Weltausstellung im Jahr 2017 einzureichen. Ein ambitioniertes Unternehmen, das insbesondere von der Föderalregierung unterstützt wird, nicht zuletzt, da es sich um ein Projekt mit internationalem Zuschnitt handelt, das an die erfolgreiche Weltausstellung in Brüssel im Jahr 1958 anknüpfen soll.

Als Gelände für die Expo 2017 wurde Coronmeuse im Norden Lüttichs gewählt. Nach Ende der Weltausstellung soll es in ein umweltfreundliches Viertel umgewandelt werden. Im Juni 2011 hatte die Föderalregierung die Bewerbung Lüttichs beim Internationalen Ausstellungsbüro in Paris eingereicht. Am 22. November 2012 werden 157 Staaten darüber abstimmen, ob Lüttich oder der Mitbewerber, die kasachische Stadt Astana, den so begehrten Zuschlag erhält.


Erstellt oder aktualisiert am 05. Juni 2012.
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