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Von  Renate Kohl-Wachter und Jan Kurlemann

Der neue „Bilaterale“ in der Rue de Lalaing

Eckart Cuntz: „Zwischen Deutschland und Belgien läuft es gut“

Aller guten Dinge sind drei: Vor mehr als zwanzig Jahren hat Dr. Eckart Cuntz, Jahrgang 1950, als junger Diplomat in der Ständigen Vertretung erste Erfahrungen auf dem Brüsseler Parkett gesammelt. 1994 kam er zum zweiten Mal hierher, als Kabinettchef des Generalsekretärs des EU-Ministerrates. Und nun ist er wieder da, diesmal als bilateraler Botschafter.


In seiner Öffnet externen Link in neuem FensterLaufbahn ist Cuntz, der 1985 mit 34 Jahren in Brunei „jüngster Botschafter aller Zeiten“ (Der Spiegel) wurde, weit herum gekommen. Er war in Asien, Afrika, im vorderen Orient. In der Zentrale wurde er 1991 mit der Leitung der Arbeitseinheit „Politische Union/ Vertragsverhandlungen und Ratifikation Maastricht“ betraut, nach dem Fall der Mauer und der Auflösung des Ostblocks eine spannende Aufgabe in einem sich rapide verändernden politischen Umfeld. 2003 übernahm Cuntz die Leitung der Europaabteilung des Auswärtigen Amtes, ab 2006 war er Botschafter in Ankara.


Der bilaterale Blick ist anders


Neuland betritt der 61jährige hier also mitnichten, aber es sind nun die bilateralen Beziehungen, auf die er sein Augenmerk zu richten hat. Eine komplett andere Perspektive? „Natürlich ist der bilaterale Blick anders, als wenn man Belgien aus der EU-Sicht vor allem als einen der besten und zuverlässigsten Partner Deutschlands betrachtet,“ sagt er. Erstaunt und erfreut ist er über die erfolgreiche geschäftsführende Regierung Yves Letermes (eine erfolgreiche EU-Ratspräsidentschaft inklusive) und die nun doch Gestalt annehmende Staatsreform: „Belgien ist von vielen Seiten her schon als Land gesehen worden, das auseinander bricht, und siehe da, man findet doch einen Kompromiss.“ Bewundernswert findet es der Botschafter, dass der Verhandlungsführer Elio Di Rupo inzwischen auch in Flandern sehr populär ist.


Atomstrom


Im Übrigen sieht er Belgien vor ähnlichen Herausforderungen wie Deutschland, ob in der Finanzkrise oder etwa in der Migrationspolitik. Besonders häufig werde er seit seinem Amtsantritt auf die deutschen Konzepte zum Atomausstieg angesprochen, auch wenn Deutschland vom Atomstrom nicht so abhängig ist wie sein Nachbar Belgien. Beim Versuch, verantwortungsvolle Umweltpolitik mit der Sicherung von Wachstum zu verbinden, werde Deutschland "als Vorreiter" wahrgenommen, hat er beobachtet.


„Zwischen Deutschland und Belgien läuft es gut, wir sind der erste Wirtschaftspartner Belgiens, und Belgien liegt für uns an siebter bis achter Stelle.“ Die deutsche Präsenz in Brüssel sei sehr stark: neben drei Botschaften die Länderbüros, Wirtschaftsvertreter, Verbände. Auch die Beziehungen zu den deutschen Ländern hält er für besonders wichtig. Keine Rede von Konkurrenz oder gegenseitiger Behinderung. Für ihn ist es selbstverständlich, dass die Länder „das einbringen, was sie einbringen können". Beispielhaft sind für den Diplomaten die Beziehungen zwischen Flandern und Sachsen-Anhalt. Die Kulturlandschaft des "Fläming" haben Öffnet externen Link in neuem FensterSiedler aus Flandern aufgebaut.


Brückenbau mit Kultur und Wissenschaft


Insgesamt möchte Cuntz den Deutschen und den Belgiern die Bedeutung ihres jeweiligen Nachbarlandes noch stärker vermitteln. Der Königsweg dazu ist für ihn die Kultur. Gleich zu Beginn seiner Brüsseler Tätigkeit hat sich der neue Botschafter mit „Kulturmittlern“ an einen Tisch gesetzt, mit Vertretern des Goethe-Instituts, des DAAD, der internationalen Deutschen Schule und der deutschsprachigen Sektionen der Europäischen Schulen; Germanistenverband und Universitäten waren auch dabei. Es ging um die Förderung der deutschen Sprache und die Zusammenarbeit im wissenschaftlichen Bereich. „Jetzt läuft das Deutschlandjahr der Universität Antwerpen aus, 2012 haben wir ein Deutschlandjahr an der Universität Löwen.“


Ein besonderes Anliegen ist es dem neuen Botschafter, ein solches Deutschlandjahr auch in der Wallonie, in Lüttich, auf den Weg zu bringen. "Lüttich ist historisch mit Deutschland eng verbunden", betont er. Außerdem lässt die deutsche Botschaft Öffnet externen Link in neuem Fenster„Juniordiplomaten“ mit deutsch-belgischem Hintergrund für die Verständigung zwischen beiden Ländern werben.

 

Mit den belgisch-deutschen Gesellschaften hat der Botschafter Kontakt aufgenommen, auch mit dem neuen Zusammenschluss der "Humboldt-Alumni" in Belgien. Eine besondere Zielgruppe sind die Belgier, die in den Garnisonen in Deutschland gearbeitet und gelebt haben und oft gut deutsch sprechen, bis hin zum Chef des belgischen Generalstabs.


Der Erste Weltkrieg - ein Schlüsselereignis


Nicht zuletzt will sich Cuntz der Geschichte stellen. Am 11. November 2011, dem Waffenstillstandstag, wird der neue deutsche Botschafter in Öffnet externen Link in neuem FensterYpern sein, wo der Opfer des Ersten Weltkriegs gedacht wird. Er wird den deutschen Soldatenfriedhof Langemark besuchen, ebenso die Gräber belgischer, britischer und französischer Soldaten. "Freundschaft und Versöhnung" stehen für ihn im Mittelpunkt des Gedenkens.

 

Fotos: Wagner, Kreutz. Das untere Foto zeigt den Botschafter mit den Belgieninfo-Redakteuren v.l.n.r. Rudolf Wagner, Renate Kohl-Wachter und Jan Kurlemann.


Erstellt oder aktualisiert am 05. November 2011.
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