Fußball
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Von  Armin Möller

Der Erfolgshunger wächst

Anderlecht nach Sieg in Graz auf Wolke 7

Lang, lang ist es her, dass eine belgische Mannschaft in den europäischen Wettbewerben nach drei Spielen ungeschlagen an der Spitze einer Gruppentabelle steht. Mit neun von neun möglichen Punkten hat dieses Kunststück gestern der RSC Anderlecht geschafft. Die Königlichen siegten mit 0-2 in Graz und machten das 5-0 von Chelsea gegen Racing Genk vom Dienstag in der ChampionsLeague für kurze Zeit vergessen.

 

Der RSC Anderlecht reitet zurzeit auf einer Erfolgswelle wie lange nicht mehr. Die Brüsseler stehen in der Tabelle der heimischen Liga auf dem Platz an der Sonne, und als ungeschlagenes Team als Spitzenreiter der Gruppe L auch in der EuropaLeague (EL) ganz oben. Selbst die Warnungen von Trainer und Präsidium, bei zu viel Euphorie könne die Luft gefährlich dünn werden, spielen die Jungs von Trainer Ariel Jacobs momentan einfach weg.

 

Dies musste im jüngsten Spiel der Gruppe L auch Sturm Graz in der EL erfahren. Sturm, derzeit im Mittelfeld der österreichischen Bundesliga, geriet bereits in der ersten Spielhälfte ziemlich unter Druck. Angetrieben von einem engagiert spielenden Guillaume Gillet, hätten die Brüsseler eigentlich schon in den ersten 45 Minuten in Führung gehen können, vielleicht sogar müssen.

 

Auch nach dem Pausentee musste Anderlecht lange warten, bis der Grazer Torhüter endlich hinter sich greifen sollte. Erst in der 67. Minute gelang es Guillaume Gillet, seine Mannschaft in Führung zu bringen. Das 0-1 aus Grazer Sicht kam mit freundlicher Unterstützung von Torhüter Silvije Cavlina zustande, der bisher in dieser Partie kaum Fehler gemacht hatte. 

 

Eine Minute nach dem Führungstreffer von Anderlecht stellte Schiedsrichter Alan Kelly Thomas Burgstaller nach einem unnötigen Foul am bisher einzigen Torschützen vom Platz. In Überzahl boten sich Anderlecht gute Kontermöglichkeiten. Eine davon nutzte Suarez nach einem schnellen - von Dieumerci Mbokani eingeleiteten - Tempogegenstoß zum 0-2. In dieser Verfassung brauchen die Königlichen sich keine Sorgen zu machen, wenn sie kommende Woche Sturm zuhause empfangen. 

 

So dachte allerdings auch Club Brügge. Blauw-Zwart hatte zwei Stunden vor Anpfiff in Graz den englischen Zweitligisten und PremierLeague-Absteiger Birmingham City zu Besuch. Eigentlich sollte es für den Tabellen-Zweiten der belgischen Liga ein gemütlicher Abend werden - zumindest nach dem Willen von Joseph Akpala, der die Gastgeber schon früh in der vierten Minute in Führung brachte.

 

Ausrutscher gegen englischen Zweitligisten

 

Der amtierende englische FA-Cup-Sieger schien die Führung von Brügge als Weckruf wahrgenommen zu haben und fand überraschend stark ins Spiel. In Der 27. Minute gelang David Murphy der Ausgleich. Danach taten sich beide Teams nicht viel. Als die Partie eigentlich schon gespielt war, prallte Akpala in der 91. Minute bei einem Kopfduell unglücklich mit Pablo zusammen. Schrecksekunde im mit 23.000 Zuschauern gut besuchten Jan-Breydel-Stadion: der Spieler im gelben Trikot der Gäste blieb regungslos liegen und musste vorsichtig vom Platz getragen werden. Die lange Nachspielzeit kam den Engländern zugute. Chris Wood schaffte noch die Spielwende und markierte in der 100. Minute das 1-2 für sein Team.

 

Für Brügge ist diese Niederlage gleichbedeutend mit dem ersten Punktverlust in der Gruppe H. Blau-Schwarz steht nun punktgleich mit Birmingham an der Tabellenspitze. Beide Teams haben sechs Zähler auf dem Konto.

 

Wesentlich enger bei einander stehen die Teams in der Gruppe A, in der Standard Lüttich gestern Abend gegen Vorskla Poltava aus der Ukraine antreten musste. Die Rouches bissen sich an den Ukrainern vor heimischem Publikum die Zähne aus und kamen in einer mäßigen bis schwachen Partie nicht über ein 0-0 hinaus. Dank des 2-2 Unentschieden von Hannover 96 gegen den FC Kopenhagen steht Standard nun mit fünf Punkten zusammen mit den 96ern an der Tabellenspitze, muss aber zum Weiterkommen eine erhebliche Leistungssteigerung zeigen.

 

Selbst eine große Leistungssteigerung würde Racing Genk, dem einzigen belgischen Vertreter in der ChampionsLeague, nicht genügen, um auch nur von Platz Drei träumen zu dürfen. Die Limburger erhielten bei ihrem Gastspiel an der Londoner Stamfordbridge vom FC Chelsea eine Lehrstunde in Sachen Kombinationsfußball. Gegen Stars wie Fernando Torres, Didier Drogba, Frank Lampard und Co. war kein belgisches Kraut gewachsen - Chelsea ist eine andere Liga in der Königsklasse. Mit dem 5-0 konnte Genk am Ende eher noch zufrieden nach Hause fahren, denn Chelsea hätte durchaus mehr Tore erzielen können. Auch im Rückspiel im Genker Fenixstadion wird es in einer Woche keine Überraschung geben.

 

Genk steht derzeit mit einem - zuhause gegen den FC Valencia - erkämpften Punkt mit dem Rücken zur Wand und ist abgeschlagen Letzter in der ChampionLeague-Gruppe E. Genk hat noch zuhause gegen Chelsea und Leverkusen sowie auswärts bei Valencia die Chance, sich nicht torlos aus dem Wettbewerb verabschieden zu müssen.

 


Erstellt oder aktualisiert am 21. Oktober 2011.
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