Theater, Film, Musik
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Von  Hortense Hörburger

Delayed, delayed....

"Il viaggio a Reims" in der Vlaamse Opera

Noch händeringend ein Weihnachtsgeschenk gesucht? Wie wäre es mit einer Opernkarte? An der Brüsseler Monnaie zieht „Cendrillon“ von Massenet zur Zeit die Besucher in ihren Bann. Aber wer dort keine freien Plätze mehr findet, muss nicht verzweifeln. An der Vlaamse Opera, dem Zusammenschluss der Opernhäuser Antwerpen und Gent, lockt ebenfalls ein hinreißendes Spektakel, „Il Viaggio a Reims“ von Gioachino Rossini. Beide Stücke versprechen auch einen gutgelaunten Rutsch ins neue Jahr.


Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Und das tun der Librettist Luigi Balocchi, der sich von einem Roman der Madame de Staël inspirieren ließ mit dem Komponisten Gioachino Rossini im „fröhlichen Drama“ der „Reise nach Reims“ ganz wunderbar. Geschrieben hat Rossini diese Oper aus Anlass der Krönung von Karl X., die in Reims stattfand. Der neue König nahm höchstpersönlich an der Premiere in Paris teil. Balocchi und Rossini treiben ein herrliches Spiel mit ihren Figuren und der Realität: eine Gruppe Reisender, Männer und Frauen aus vielen europäischen Ländern sind auf dem Weg zu den Krönungsfeierlichkeiten nach Reims und steigen in einem Hotel ab.

 

Lobhudelei


Hélas, es gibt keine Pferde mehr. Welch ein Desaster! Doch die Rettung naht: die Besitzerin des Hotels hat einen Brief erhalten, in dem steht, dass bei der Rückkehr des Königs in Paris ein großes Fest gefeiert wird. Jubel, Trubel, Heiterkeit und die Vorbereitung auf den großen Anlass, an dem alle dabei sein werden, läuft. Jeder trägt ein Lied aus seinem Heimatland vor, der deutsche Baron van Trombonok, der die ganze Zeit von Harmonie „immer und überall“ träumt, genauso wie der englische Offizier Lord Sydney, der leider nur „God save the Queen“ singen kann und sich im übrigen in seiner „splendid isolation“ am wohlsten fühlt.


Die Oper endet mit einer wunderbaren Lobhudelei auf den neu gekrönten König.

 


Wer Lust hat, kann sich dieser Tage in der Vlaamse Opera in Antwerpen und später in Gent auf diese wunderbare Reise mitnehmen lassen. Die Regisseurin Mariame Clément hat einen geradezu hinreißenden Einfall für ihre Inszenierung: die Reisenden sitzen nicht in einem netten Luxushotel in einem Kurort fest, sondern in einem Flugzeug, das die gesamt Bühne ausfüllt. Oben sitzen die Gäste der zweiten Klasse, unten das bessere Publikum. Anspielungen auf die frühere Sabena sind deutlich und gewollt und das Publikum kann sehr leicht nachvollziehen, wie es sich anfühlt, wenn einem die Stewardess das Tablett beinah auf den Schoß wirft. Dass dieses blöde Flugzeug nicht abhebt, wird niemals langweilig und Clément spielt wunderbar mit ihrem Bühnenbild und den Figuren. Erotische Verwicklungen werden angedeutet und finden teilweise in der Bordtoilette statt und wenn der erlösende Brief kommt, greifen alle festsitzenden Reisegefährten als erstes zum Handy und schmettern dort ihre Arien hinein. Großer Applaus vom Publikum. Und eigentlich ist es ein kleines Wunder, dass nicht auch dort jemand zum Handy greift...


Silvester in der Oper?

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„Der“ Rossinidirigent, der 83-jährige Alberto Zedda dirigiert das Orchester der flämischen Oper und dass erstklassige Sänger die Rollen mit Leben erfüllen, ist selbstverständlich.


Wer Silvester in der Oper feiern will, kann anschließend in der Brasserie Gustav, die durch die Oper zugänglich ist, feiern. Auch sonst ist ein Besuch dort sehr zu empfehlen, allerdings auch eine Reservierung. Es ist alles sehr lecker. Wir bestellten letzthin gebackene Jackobsmuscheln. Sie wurden uns serviert: auf schwarzen Boudinscheiben. Flandern eben.


Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.vlaamseopera.be

Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.brasseriegustav.be

 


Erstellt oder aktualisiert am 21. Dezember 2011.
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