News
Drucken|Kommentieren|

Von  Armin Möller

Das weltbeste Bier bald im Handel?

Mönche von Westvleteren müssen Liquidität zapfen

Belgischen Zeitungen zufolge planen die Mönche der Abtei Sint-Sixtus in Westvleteren eine ungewöhnliche Form der Kapitalbeschaffung. Ihr Trappistenbier - von vielen als das beste der Welt gepriesen - ist bisher nur unter großen Mühen erhältlich. Dies könnte sich bald ändern, denn um den baulichen Zustand der Abtei ist es schlecht bestellt und Baumaßnahmen scheinen dringend erforderlich. Frische Geldquellen müssen also sprichwörtlich angezapft werden, schließlich brauen die Mönche, um zu leben.

 

Es klingt als wollten die so verschwiegenen Mönche der Abtei Sint-Sixtus in Westvleteren ein Tabu brechen und sich dem ungeliebten Marktzwang unterwerfen. Ihre Abteigebäude müssen saniert werden, und dafür müssen die Mönche Geldquellen anzapfen. Mit spirituellem und intellektuellem Kapital ist das schwierig, also kommt es den Geistlichen gerade zupass, dass ihr Trappistenbier als der womöglich beste Gerstensaft der Welt gilt. Damit lässt sich Kasse machen!

 

Kommerz oder Geldnot?

 

Der Aufschrei des Entsetzens belgischer Bierpuristen ließ nicht lange auf sich warten. Wie können die Mönche es doch wagen, ihr wohlrationiertes Bier, das nur unter Abgabe des Ehrenwortes, es nicht weiter zu verkaufen, unter großen Mühen erhältlich ist, nun zur Kapitalbeschaffung - wenn auch nur zeitweise - in einer großen Supermarktkette zu verkaufen? Warum nicht, schließlich lautet das Credo der Mönche: wir brauen, um zu leben! Und zum Leben brauchen die Bewohner der Abtei nun einmal ein sicheres Dach über dem Kopf.

 

Um den Gebäudekomplex in der schönen westflämischen Landschaft nicht aufgeben zu müssen, muss also Geld her, und da kommt den Patern die Beliebtheit ihres Gerstensaftes sehr entgegen. Längst ist aus dem wohlschmeckenden Nass, das legal nur im Brauerei-
ausschank neben der Abtei verkostet werden kann, ein Kultgetränk geworden. Nur einige schwarze Schafe trauten sich bisher, das köstliche Bier zu horrenden Preisen bei Ebay nach Übersee zu verscherbeln. Würde eine kontrollierte Mehrproduktion in Verbindung mit einem öffentlichen Verkauf den Kultstatus des Bieres gefährden?

 

Festhalten an der Tradition

 

Darum geht es den Mönchen gar nicht. Ihnen ist das Bohei um ihr Bier ziemlich egal, solange sie von den Einnahmen ihren Lebensunterhalt erwirtschaften können. Dies ist angesichts der auf sie zukommenden Kosten offenbar nicht mehr der Fall. Also ist es mehr als legitim, die Braukessel künftig öfter anzuheizen und den Bierausstoß zu erhöhen - zeitweilig versteht sich. Heuchlerisch ist das überhaupt nicht, denn wenn die Kapitaldecke nach dieser Maßnahme wieder groß genug ist, werden die Mönche die Produktion bestimmt wieder drosseln.

 

Von dieser ungewöhnlichen Kapitalbeschaffungsmaßnahme würden demnach viele profitieren: die Bierfans, die Mönche, die Supermarktkette Colruyt und der Wert der Marke. Die Zeitung "Het Belang van Limburg" gibt vor zu wissen, dass die Supermarktkette Colruyt sich glücklich schätzen darf, bald eine Geschenkbox mit den drei Sorten Westvleteren und einem Glas an seine Kunden zu verkaufen.

 

Und diese kleine Biersensation hat sich nach Bekanntwerden sogar schon bis nach Deutschland herumgesprochen. Die in Düsseldorf erscheinende Rheinische Post schreibt dazu: "Das angeblich beste Bier der Welt, bislang nur unter Mühen in einer belgischen Trappistenabtei direkt zu erwerben, soll künftig auch im Supermarkt zu kaufen sein. Aus Geldnot wollten die Trappisten der Abtei Westvleteren ihr vielgepriesenes Produkt künftig über einen belgischen Discounter vermarkten ..."

 

Na dann mal Prost und gutes Gelingen, werte Patres!


Erstellt oder aktualisiert am 28. Oktober 2010.
zurück hoch
 

Kommentare

Siegbert Collas, 07.02.2011 20:20 Uhr
Find ich ächt voll jut, dass man jätz dit vollgaile bia entlicht rischdisch saufen tun kann. Ick freuä misch schon ächt voll auf die Brause, wänn se mir de gurgl runtergluckern tut.
Fiele Grieße von siiiiechbärt dem Schluckspecht


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld

*
*
*
CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz
Wenn Sie den Zahlencode nicht lesen können, bitte hier klicken.
*
*
Kommentar schreiben