Der RSC Anderlecht ist in der Europa-League die Mannschaft der Stunde. Nach fünf Spieltagen steht der belgische Rekordmeister in der Tabelle der Gruppe L mit einer weißen Weste dar. Bedeutet: fünf Spiele, fünf Siege, 15 Punkte und nur zwei Gegentore. Auch im letzten Auswärtsspiel gegen AEK Athen siegten die Brüsseler. Und wieder einmal dank eines alles überragenden Guillaume Gillet.
Die drei belgischen Clubs in der Europa-League haben am vorletzten Spieltag der Gruppenphase für mächtig Furore und internationale Aufmerksamkeit gesorgt. Standard Lüttich sicherte sich mit einem souveränen 2-0 gegen Hannover 96 vorzeitig den Sieg in der Gruppe B und Club Brügge erkämpfte sich nach einer spektakulären Aufholjagd einen 3-4-Sieg in Maribor. Dank dieser drei Punkte ist auch Club Tabellenführer in seiner Gruppe, aber wegen des noch ausstehenden Spiels gegen Sporting Braga noch nicht sicher qualifiziert.
Der RSC Anderlecht - Ehre, wem Ehre gebührt - beherrscht die Gruppe L offenbar nach Belieben. Die Brüsseler haben bisher alle ihre fünf Partien in der Europa-League gewonnen. Bei einem Torverhältnis von 13-2 darf man vielleicht schon von einer kleinen Sensation sprechen. Keine andere Mannschaft in der Europa-League kann solch eine Bilanz vorweisen, und das ist aus der Sicht von Anderlecht schon rekordverdächtig. Können die Hauptstädter wieder an die glorreichen 1980er Jahre anknüpfen? Der Kurs ist eingeschlagen.
One-Man-Show
Mit einem überragenden Guillaume Gillet, dem torgefährlichen Aktivposten im Mittelfeld, ist der Rekordmeister gut aufgestellt, an alte Erfolge anzuknüpfen. Auch beim 1-2-Auswärtssieg gegen AEK Athen sorgte der gebürtige Lütticher für die entscheidenden Tore. Anderlecht hätte durchaus noch weitere Chancen verwerten können, nahm gegen die Griechen jedoch in der zweiten Spielhälfte das Tempo aus dem Spiel, um Kräfte zu sparen.
Ein genau umgekehrtes Bild zeigte sich am Vortag beim Spiel von Maribor gegen Club Brügge. Ehe Club richtig in Slowenien angekommen war, lag die Mannschaft von Trainer Christoph Daum schon mit 0-3 hinten. Club schien nach zuletzt zwei Siegen in der heimischen Liga völlig von der Rolle. Der auf den Spielern lastende Leistungsdruck und die Umsetzung des von Christoph Daum verordneten neuen Spielsystems sorgten für reichlich Unsicherheit in Reihen von Blau-Schwarz. In der letzten Viertelstunde war Brügge gezwungen, alles auf eine Karte zu setzen.
Mit ein bisschen Glück gelang es zunächst Nabil Dirar, den Anschlusstreffer zu erzielen. Drei Minuten später war es erneut der Marokkaner, der auf 3-2 verkürzte. Den Torreigen im Taktfahrplan setzte der eingewechselte Joseph Akpala fort, Club war wieder im Spiel. Nach einer Stunde hätte dieses Ergebnis wohl keiner vorhergesagt und noch weniger, dass der Schütze des Eigentores in der Nachspielzeit für Club sogar noch das Siegtor erzielen würde. Ryan Donk wurde mit seinem Eigentor und dem Siegtreffer somit zum bizarren Helden eines bizarren Fußballabends mit glücklichem Ausgang für Club Brügge.
Brügge muss noch bangen
Wesentlich souveräner als Club aber nicht ganz so überlegen wie der RSC Anderlecht gewann auch Standard als dritter belgischer Teilnehmer in der Europa-League sein fünftes Spiel. Die Rouches empfingen im nicht ganz ausverkauften Hexenkessel von Sclessin Hannover 96. Von Anfang an war - trotz geringerem Ballbesitz - klar, wer in diesem Spiel das Geschehen diktieren sollte. Die zuletzt schwächelnde Elf von Trainer Mirko Slomka kam gegen die wendigen und schnellen Spieler von Standard Lüttich nur schwer ins Spiel. Viele Angriffe des HSV wurden schon im Mittelfeld entschärft. Standard spielte gutes Pressing und lauerte mit den pfeilschnellen Spitzen Momo Tchité und Cyriak immer auf Kontermöglichkeiten.
Standard spielte souverän und hatte keine Mühe, den Spielaufbau des Bundesligisten zu stören. Am Ende ging Standard als verdienter Sieger vom Platz und wurde von den Fans gebührend als Sieger der Gruppe B gefeiert. Außer Club Brügge, das noch ein bisschen um die Qualifikation zur K.O.-Runde bangen muss, haben Standard und Anderlecht die Runde der letzten 32 bereits erreicht. Ein Erfolg für den belgischen Vereinsfußball, der allerdings nicht über das blamable 7-0 von Racing Genk im Championsleague-Duell beim FC Valencia hinwegtäuschen sollte. Der belgische Fußball ist stark im Aufwind, aber noch lange nicht Spitze.
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