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Von  Renate Kohl-Wachter und Susann Zuber

Comics, Kriege, Mälzen und Musik

Deutschlandjahr der Universität Löwen eröffnet

Mit einem Deutschlandjahr 2012 will die Universität Löwen Belgiens wissenschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Austausch mit dem Nachbarland im Osten fördern. Auf dem Programm stehen unter anderem deutsche Comics, Filme, ein Deutschland-Quiz, eine Husserl-Lesung, die Bierforschung (theoretisch bei einem Workshop und praktisch bei einem Oktoberfest), aber auch ein historisch-musikalisches Projekt Leuven – Dresden zur Vernichtung von Kulturerbe im Krieg oder ein Poetry-Slam in Zusammenarbeit mit dem Land Berlin. Die Inauguration am 10. Januar 2012 war verbunden mit dem traditionellen Neujahrsempfang der deutschen Wirtschaft in Flandern.

Es war der Startschuss für eine Initiative, die sich im Vorjahr an der Universität Antwerpen bereits bewährt hatte. Nun luden die alte Katholische Universität Löwen und der neue deutsche Botschafter beim Königreich Belgien Dr. Eckart Cuntz zusammen mit den Vertretern deutscher Unternehmen in Flandern (BASF, Bayer, BMW, Evonik Degussa und der Deutsche Sparkassen- und Giroverband) zur Eröffnung des Deutschlandjahres am 10. Januar in die Universitätshalle.

 

Unter dem mächtigen Backsteingewölbe des Jubiläumssaals warben Paravents einer Ausstellung der deutschen Botschaft für „beBerlin“ als Stadt des Wandels.  An den Stehtischen wurde viel Deutsch gesprochen, Niederländisch sowieso und auch Englisch, denn die KU Leuven ist heute wieder ebenso international wie im Mittelalter. Von den rund 37 000 Studenten sind rund 20 Prozent international, die Hälfte davon aus EU-Ländern, aus Deutschland aktuell knapp 200. Das ist nicht zuletzt auf ein großes englischsprachiges Studienangebot zurückzuführen.

Dialog Leuven - Dresden


„Wenn von Internationalität die Rede ist, blicken die meisten immer gleich nach China oder die USA, die Synergie kann bei geringerer Distanz aber viel größer sein,“ sagte der Rektor Prof. Dr. Mark Waer zur Eröffnung. Das vielseitige Programm für 2012 soll aus der geographischen Nähe und den verwandten Mentalitäten von Deutschen und Flamen Nutzen ziehen. Seit letztem Jahr bestehe eine Partnerschaft mit einem Münchner Forschungsinstitut und mit der Universität Heidelberg. „Die Internationalität der Universitäten hat ihren Ursprung im Mittelalter. Damals war die Mobilität der Studenten und Lehrkräfte ähnlich hoch wie heute“, so Waer. Nur bediene man sich heute eher der englischen Sprache.

Besonders am Herzen liegen dem Rektor die Wissenschaftsworkshops. Einer von ihnen ist unter Beteiligung der TU Berlin - bei zwei großen Biernationen nicht fernliegend - der Forschung und Entwicklung beim Mälzen und Brauen gewidmet. Bei zwei anderen geht es um die Zukunftsfragen Energie und Gesundheit. Aber auch der Dialog von Historikern am 3. Mai 2012 über die Zerstörung von Kulturerbe in Löwen im Ersten Weltkrieg und Dresden im Zweiten Weltkrieg verspricht ein Highlight zu werden, zumal dabei auch das Requiem von Rudolf Mauersberger „Wie liegt die Stadt so wüst“ aufgeführt werden soll.

Der neue deutsche Botschafter Dr. Eckart Cuntz, der trotz kurzen Hierseins sein Grußwort bereits auf Niederländisch hielt, erwähnte als Beispiel für Mobilität und wissenschaftlichen Austausch den Kartographen Mercator aus Rupelmonde, der den größten Teil seines Lebens in Duisburg wirkte. Auch ihm ist zu seinem 500jährigen Geburtstag eine Ausstellung im Rahmen des Deutschlandjahrs gewidmet.

„Ein guter Nachbar an der Hand ist besser als ein Freund über Land.“ Dieses flämische Sprichwort wollte der flämische Ministerpräsident Kris Peeters zitieren, der aber kurzfristig verhindert war „wegen einer dynamischen Debatte im Parlament“. An seiner Statt verlas der Repräsentant der Flämischen Regierung an der Belgischen Botschaft in Berlin, Walter Moens, den vorgesehenen Vortrag zu „Wissenschaftsdiplomatie und gute Nachbarschaft im wissenschaftlichen Bereich.“ Die Beziehungen zu Deutschland haben Top-Priorität für die flämische Regierung. Deutschland ist wichtigster Handelspartner für Belgien vor Frankreich und den Niederlanden. 85% der flämischen Exporte gehen nach Deutschland. Mehr als 683 deutsche Unternehmen haben eine Niederlassungen in Belgien und beschäftigen rund 85.000 Arbeitnehmer.

Synergie durch Nähe

Der größte unter ihnen ist BASF in Antwerpen. Über 3500 Mitarbeiter beschäftigte das Chemieunternehmen 2010. Es sei wichtig die Kontakte zwischen Flandern und Deutschland zu pflegen, meinte Wouter De Geest, Geschäftsführer von BASF Antwerpen in seiner Rede auf dem Neujahrsempfang. „In Deutschland scheint nicht so häufig die Sonne wie in Spanien“, sagte er weiter mit Anspielung der Beliebtheit der südlichen Länder für ein Auslandsstudium, doch die deutschen Unternehmen und ihre Niederlassungen in Belgien haben viele interessante Chancen zu bieten durch ihre internationalen Aktivitäten. Der Austausch zwischen den jungen Menschen der beiden Nachbarländer für mehr Innovation liegt ihm am Herzen. Das wachstumsstarke Flandern und die europäische Wirtschaftslokomotive Deutschland könnten durch mehr Austausch in Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft noch mehr voneinander lernen.

Er dankte in seinem Grußwort auch dem früheren deutschen Botschafter beim Königreich Belgien, Prof. Dr. Reinhard Bettzuege, für seine Initiative in Sachen Deutschlandjahr. Bettzuege habe ihn davon überzeugt, dass es trotz sehr guter  Beziehungen nötig sei, den Austausch zwischen Deutschland und Flandern zu intensivieren. 230 flämische Studierende haben im Studienjahr 09/10 Deutschland für ihren Erasmusaufenthalt gewählt. Umgekehrt waren es 170 Deutsche in Flandern, wie Moens in seiner Rede mitteilte. „Belgien ist vor allem ein Land, wo man auf der Durchreise ist. Deutschland auch! Wie können wir uns besser kennenlernen?“ so De Geest, der letztes Jahr Präsident des neugeschaffenen Flämischen Industrierates wurde. In dieser Funktion berät er die flämische Regierung zur Industriepolitik.

Dass der verstärkte Austausch wirklich alle Ebenen umfasst, dafür garantieren weitere Programmpunkte wie ein Poetry-Slam zusammen mit dem Land Berlin, eine Diskonacht mit deutscher Rock- und Popmusik, ein Fußballspiel „Team Diplomaten gegen Team KU Leuven“ und nicht zuletzt ein zünftiges Oktoberfest, bei dem sich die Distanz zwischen Nachbarn erfahrungsgemäß am schnellsten reduzieren lässt.


Fotos: Johannes Wachter, Archiv (1)



Hier noch einige Links zur Information:

Programm:
www.kuleuven.be/duitslandjaar/de/index.html

Uniwebsite
dagkrant.kuleuven.be

Außerdem:
www.deredactie.be/cm/vrtnieuws.deutsch/landundleute/120105_KUL%2BDeutschland%2B

www.grenzecho.net/ArtikelLoad.aspx


Erstellt oder aktualisiert am 12. Januar 2012.
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