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Von  Frank Schwalba-Hoth und Rainer Lütkehus

Grüner Jubel, schwarze Tristesse

Das Personal der BaWü-Vertretung fürchtet den Wechsel

Mit über 80 Personen war das die Brüsseler Eckkneipe "Horloge du Sud" bei der grünen Wahlparty proppenvoll, als um 18.05 Uhr die erste Trendmeldung über den Bildschirm lief: 24% für die Grünen, 23% für die SPD.

 

Jubel, jubel. Das war genug für eine Wachablösung und für den ersten grünen Ministerpräsidenten in Deutschland. Als gegen 20.00 Uhr das zweite Fass mit Biobier und die letzte Flasche mit Biowein geleert war, gab es keinen Grund mehr daran zu zweifeln, dass Geschichte geschrieben worden war. Zum ersten Mail geht eine Wahl so aus, dass ein Grüner zum Chef einer Exekutive gewählt werden wird.

 

Für Brüssel bedeutet das zweierlei: Europäisierung und Einfluss auf Berlin.

 

Die Grünen werden sich jetzt vermutlich in Deutschland bei rund 20% stabilisieren und damit den Schwesterparteien in anderen europäischen Ländern einen Push geben - und die EU damit zu einer nachhaltigeren Politik bewegen.

 

Da ein Machtwechsel auch in Berlin hin zu Rot-Grün immer wahrscheinlicher wird (termingerecht oder vorzeitig), sollten sich die Brüsseler Grün-Roten (und Rot-Grünen) zusammensetzen, um das zu formulieren, was aus grüner Sicht und Erfahrung an EU-relevanten Punkten Eingang in einen bundesrepublikanischen Koalitionsvertrag gehören sollte: "99 Brüsseler Beiträge zu einem Rot-Grünen Koalitionsvertrag".

 

Soweit Frank Schwalba-Hoth, Vorstandsmitglied Ortsverband Brüssel, Bündnis 90/Die Grünen. Anderswo in Brüssel gab es keine Feierstimmung und keine kühnen Pläne, berichtet Rainer Lütkehus.

Dass die Grünen in Baden-Württemberg nach den Wahlen den Ministerpräsidenten stellen können, war vorher nicht sicher; wohl aber, dass die Christdemokraten kräftig Federn lassen müssten. Zur Wahlveranstaltung am Sonntagabend in der Vertretung des Landes Baden-Württemberg bei der EU kamen nur wenige und gingen früh. Es gab Rot- und Weißwein, Mineralwasser, Bier aus dem Schwarzwald und Salzbrezeln, die aber schnell vergriffen waren. Kein Grund zum Feiern.

„Es gibt nichts zu essen“, beklagt sich ein geladener Gast. Früher war das Catering in der Landesvertretung immer üppig gewesen. Gähnende Leere. Auf dem TV-Screen rollen die aktuellsten Wahlergebnisse zu Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Zur Geltung kommen die ausgestellten Bilder eines deutschen Malers, dessen Bilder über 5000 Euro kosten sollen.

Fraglich ist, ob die derzeitige Leiterin des Büros, Nicola Schelling (42), im Mai 2010 vom scheidenden Ministerpräsidenten Stefan Mappus zur Hausherrin gekürt, im Amt bleiben kann. „In zwei Wochen wissen wir mehr", äußerte sich ein Mitarbeiter der Landesvertretung vorsichtig. Es dürfte wohl zu personellen Änderungen kommen.


Erstellt oder aktualisiert am 28. März 2011.
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