Theater, Film, Musik
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Von  Kay Wagner

Belgien, ach Belgien

Langer Filmnachmittag über Belgiens Identität im BOZAR

Belgien, was bist du eigentlich? Ein Land, ach ja. Doch was ist das für ein Land, das ständig auseinander zu fallen droht? Das erst im 19. Jahrhundert auf Landkarten auftaucht, dessen Bewohner alles andere als eine eingeschworene Gemeinschaft bilden? Ein Land, das sich einen König hält, gleichsam zur Zierde, und dessen vornehmste Funktion heute darin zu bestehen scheint, für Präsenz in bunten People-Magazinen zu sorgen und das Land zusammen zu halten, wenn es – genau: mal wieder auseinander zu brechen droht?

Belgien, ach Belgien… Das dachten sich vor gut zwei Jahren auch Christian De Schutter und Charles Leguèbe. Der erste Flame, der zweite Wallone, beide natürlich Belgier, und beide im Medienbereich aktiv. De Schutter beim Vlaams Audiovisueel Fonds, Leguèbe beim französischsprachigen Sender RTBF im Bereich Dokumentarfilm. Wieder einmal gab es eine Krise zu bewältigen, politisch, aber auch intellektuell. Monatelang schon konnte im nationalen Parlament kein Regierungschef gefunden werden. Sein oder nicht sein – die hamletsche Frage stellte sich dem Land zum wiederholten Mal.

 

„To be or not to.be“ 

 

„To be or not to.be“, heißt dementsprechend auch die filmische „Collection“, die heute als Ergebnis von De Schutters und Leguèbes Nachdenken seinerzeit steht – wobei das „be“ als Anspielung auf die Abkürzung für „Be“lgien gedacht ist. Aus der Not der Krise hatten die beiden eine kreative Tugend gemacht und einen Wettbewerb lanciert. In bewegten Bildern sollte darüber nachgedacht werden, was das eigentlich ist, Belgien. Was es bedeutet, Belgier zu sein. Wie man das filmisch festhalten, dokumentieren kann.

 



114 Beiträge wurden eingereicht, 14 in die engere Auswahl genommen, sechs letztlich zur „Collection“ zusammengestellt. Drei aus dem flämischen, drei aus dem wallonischen Teil des Landes. Sechs Dokumentarfilme also, zwischen 52 und 60 Minuten lang, die am 7. Februar im Brüsseler Palais des Beaux Arts hintereinander gezeigt werden. Alle gehen der Frage nach, was die belgische Identität ausmacht. Wie Flamen, Wallonen und – nicht zu vergessen – Deutsche in diesem Staat zusammenleben. Welche Bedeutung die Sprache hat. Wie es heute ist, wie es morgen sein könnte.

 

La "Collection"

Lustig, ernst und tragisch-komisch versprechen die Filme zu werden. Auf jeden Fall werden sie Material zum Nachdenken liefern. Und wer sie verpasst, nicht alle Filme sehen will oder einfach keine Lust hat, einen ganzen Sonntagnachmittag und -abend im Kino zu verbringen, der wird sich die „Collection“ im Fernsehen anschauen können. Bei RTBF sollen alle sechs Beiträge noch in der ersten Hälfte des Jahres gesendet werden.

„To be or not to.be“ – Sechs belgische Regisseure schauen auf ihr Land. Sonntag, 7. Februar 2010, im Palais des Beaux Arts, Raum M, Brüssel. Beginn der Filme um 13, 14.30, 16, 17.30, 19 und 20.30 Uhr. Eintritt: 3 Euro pro Film, 12 Euro für alle sechs Filme. Infos unter Tel.: 02 507 82 00. Internet: http://www.bozar.be/activity.php?id=9722&


Erstellt oder aktualisiert am 24. Januar 2010.
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