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Von  Jan Kurlemann

Baby's in Black

Astrid und der fünfte Beatle

Schwarz und weiß, mit klaren Strichen gießt Arne Bellstorf die Liebesgeschichte von Stuart Sutcliffe und Astrid Kirchherr in seine Form und stellt sie in die Hamburger Kulisse. 2010 erschien in Deutschland das Comic-Buch "Baby's in Black". Die niederländische Fassung - vom Goethe-Institut finanziell gefördert - stellte der Künstler am 23. Februar 2012 im Brüsseler Goethe-Institut bei einer "Mittagslesung" auf Englisch vor.


Mit seinem Comic Buch wird zum ersten Mal eine Geschichte über die Anfänge der "Beatles" in Hamburg erzählt und grafisch umgesetzt. Die Mittagslesung fand vor dem Hintergrund der Ausstellung "Comics. Manga und Co. - Die neue deutsche Comic-Kultur" statt, die noch bis zum 9. 3. 2012 zu sehen ist..


Der Comic-Zeichner aus Dannenberg


Arne Bellstorf ist kein Sprüchemacher. Er ist eher introvertiert und nachdenklich. Das wird vor dem Brüsseler Publikum im Gespräch deutlich. Er litt unter Langeweile, der Einsamkeit auf dem Lande in Dannenberg an der Elbe. Er saß zu Hause und zeichnete. Bellstorff studierte dann in Hamburg Grafisches Design und Illustration. Klare Linien und Schraffur lagen ihm, nicht aber Farbe und Malerei. Mit "Kunst" oder gar "Avantgarde" hatte er nichts im Sinn, wie er sagt. Er wollte auch kein Comic-Zeichner werden. Doch seine Examensarbeit war schon ein Comic-Buch und wurde preisgekrönt.


Von der Musikszene in Hamburg der sechziger Jahre wusste der Zeichner nichts. Viele Gespräche hat Bellstorf für das Buch mit Astrid Kirchherr geführt. 72 Jahre ist sie heute alt, zweimal geschieden - und Buddhistin. Die Fotografin gehörte damals zu jungen Leuten, die vom französischen Existenzialismus beeinflusst waren, die sich schwarz kleideten und Platten von Juliette Greco hörten und Albert Camus und Jean-Paul Sartre lasen. "Cool Jazz" war ihre Musik. Schwarze Klamotten gab es nicht zu kaufen, man musste alles selbst ändern und färben.


Nazi-Elternhaus und der Beginn der Jugendkultur


Einmal klingelte mitten in der Nacht Astrids Ex-Freund an der Tür. Er war völlig weg, nachdem er die Beatles im Kaiserkeller spielen gehört hatte. Das musste Astrid auch hören. Die Beatles waren laut, ziemlich aggressiv, und unglaublich beeindruckend. Ihr schottischer Bassgitarrist Stuart Sutcliffe wurde Astrids große Liebe. Er war dabei, sich von der Band zu trennen, weil er als Künstler malen wollte. Er hielt sich nicht für einen guten Bassgitarristen. Als er die Band verlassen hatte, kaufte Paul Mc Cartney eine richtige Bassgitarre und lernte darauf zu spielen. Das Paar Astrid und Stuart blieb zusammen und war weiter mit den Beatles eng befreundet. Astrid lernte Englisch, Stuart niemals Deutsch.


Eine Jugendkultur gab es in Hamburg zu jener Zeit nicht - nur Elvis Presley. Astrid kam aus einem Nazi-Elternhaus, wie der Künstler berichtet. Die Beatles machten auf Englisch Witze über die Nazis, lehrten ihre Freundin Astrid, dass man darüber, über die Vergangenheit auch lachen konnte. Wenigstens auf Englisch.


Der Ursprung des "Pilzkopfes"


Eine Legende konnte der Künstler richtig stellen: Astrid Kirchherr hat den Beatles nicht die Haare zur Pilzfrisur geschnitten. Das sei eine Legende, wie so vieles über die Beatles. Inspiriert hat die Band Stuart Sutcliffes Haarschnitt, den Astrid vorgeschlagen hatte. Zwei Jahre später übernahmen ihn die Beatles und machten ihn weltberühmt.


Den ersten Beatles - Plattencover hat Astrid Kirchherr ebenfalls beeinflusst: Er war Schwarzweiß - Black and White! Stuarts früher Tod an einer Gehirnblutung war der dramatische Schlusspunkt. Ohne Worte klingt damit die Geschichte aus. Astrid blieb allein in Hamburg zurück. Die Beatles waren auf dem Weg zum internationalen Erfolg.


Kein Profit aus dem Weltruhm


Davon profitieren wollte sie nicht - kein Buch von ihr über die Beatles, nur ein Band mit frühen Fotos. Aber mit George Harrison ist sie nach wie vor befreundet. Ihr Fotoarchiv hat ein unbekannter Privatsammler vor der geplanten Versteigerung weggekauft. Es ist nicht mehr zugänglich.


Mit "Baby's in Black" setzt Bellstorf Astrids und Stuarts Liebe ein grafisches Denkmal. und zugleich den anderen vier Beatles und ihrer wilden Hamburger Zeit. Eine beängstigende Atmosphäre zieht sich durch das Buch. Der Leser spürt es: Etwas Schreckliches wird geschehen. Eine "bitter-melancholische Jugendgeschichte" nannte der Spiegel „Baby's in Black“. Zu Recht.


Drei Jahre für einen Comic


Ein hastiger, rauschhafter Zeichner ist Bellstorf nicht. Drei Jahre seines Lebens hat ihn das Buch gekostet: Zwei für den Text, eins für das Zeichnen. Als er 2007 in Hamburg an der Arbeit war, gab es dort keine Spuren der Beatles. 2010 hieß es: Fünfzig Jahre Beatles in Hamburg. Das Beatles-Museum "Beatlemania" gehört inzwischen zur Stadtbesichtigung. Und die Band gehört zu Hamburgs City-Marketing ebenso wie die gläserne Elbphilharmonie. Das Buch ist übrigens ein internationaler Erfolg. Es liegt auf Dänisch, Englisch, Französisch, Italienisch und Spanisch vor, und in Arbeit sind zur Zeit Ausgaben auf Chinesisch und Japanisch.


Ausgaben des Buches:

Deutsche Fassung Reprodukt Berlin 2010

Französische Fassung Editions Sarbacane Paris 2011

Niederländische Fassung Oog & Blik Amsterdam 2012

Weitere Ausgaben siehe Öffnet externen Link in neuem Fensterwww.babysinblack.bellstorf.com/


Erstellt oder aktualisiert am 01. März 2012.
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