Mit zwölf Punkten aus vier Spielen steht der RSC Anderlecht in der Gruppe L der Europaleague mit der maximalen Punktzahl unangefochten an der Spitze. Der belgische Rekordmeister hat damit schon zwei Spieltage vor Ende der Serie die Qualifikation zur K.O.-Runde der letzten 32 geschafft. Auch Standard Lüttich ist diesem Ziel dank eines 1-3-Sieges bei Vorskla Poltava in der Ukraine näher gekommen.
Der RSC Anderlecht schwingt sich heimlich, still und leise wieder zu einer Fußballmacht auf. Angetrieben von einem wieder einmal überragenden Guillaume Gillet besiegte der Hauptstadtklub Sturm Graz aus Österreich mit einem klaren 3-0. Nach 24 Minuten legte Guillaume Gillet den Grundstein für den Erfolg des belgischen Rekordmeisters. Danach schaltete Anderlecht einen Gang zurück, schließlich hätte ein Unentschieden für das Weiterkommen in der Europaleague gereicht.
Den belgischen Minimalistenfußball vergangener Jahre, das Spiel auf Ergebnis, schienen die Lila-Weißen dem Publikum im heimischen Astridpark jedoch nicht zumuten wollen. Auch wenn Anderlecht keine fußballerische Feinkost bot, hatte Graz zu kaum einer Zeit auch nur ansatzweise eine Möglichkeit, der Mannschaft von Trainer Ariel Jacobs gefährlich werden zu können. Dank dieses Sieges ist Anderlecht bisher die einzige Mannschaft in der Europaleague, die noch keinen einzigen Punkt verloren hat.
Zum Sieg gestolpert
Ganz so weiß wie die von Anderlecht ist die Weste von Standard Lüttich nicht, aber auch die Rouches haben in dieser Serie noch kein Spiel in ihrer Gruppe B verloren. Nach dem mageren 0-0 im Hinspiel auf Sclessin nahmen die Lütticher mit einem 1-3 Revanche beim ukrainischen Vertreter Vorksla Poltava. Nach einer Schrecksekunde in der sechsten Minute, in der die Hausherren mit 1-0 in Führung gingen, erholte sich Standard rasch und schaltete auf Angriff um. Die redlichen Bemühungen endeten jedoch meistens mit Ballverlusten. Niemand hätte bei einem solch konfus wirkenden Auftritt damit gerechnet, dass die Rouches den 1-1 Ausgleich erzielen würden.
Das spielerische Niveau dieser Partie war am Rande des Erträglichen und vergleichbar mit einer Art Rumpelfußball, bei dem die Ukrainer mehr Spielanteile hatten. Nach 90 Minuten hatte Standard es irgendwie geschafft, sich dank zweier Tore von Kanu und Tchité zum Sieg zu wurschteln, ohne dabei zu überzeugen. Dank dieser drei Punkte teilen die Rouches sich weiterhin die Tabellenführung der Gruppe B mit Hannover 69. Beide Teams haben mit acht Punkten vier Punkte Vorsprung auf Rang drei und gute Chancen auf ein Weiterkommen.
Wieder Sieg verschenkt
Club Brügge, der dritte belgische Vertreter in der Euroleague, muss dagegen zittern. Club steht nach einem leichtfertig vergebenem Vorsprung bei Birmingham City punktgleich mit den Blues und dem portugiesischen Vertreter aus Braga gleichauf. Brügge muss noch gegen den abgeschlagenen Tabellenletzten aus Maribor und zuhause gegen den Titelverteidiger aus Portugal ran. Club gelang es in Birmingham erneut nicht, einen komfortablen Vorsprung über die Zeit zu retten.
Nach Toren von Meunier und Akpala in der ersten Hälfte hatte Blau-Schwarz die Partie eigentlich schon fast gewonnen. In der zweiten Hälfte gelang es den Brüggern - wie zuletzt in der Liga und im heimischen Pokal - wieder nicht, die Hintermannschaft sicher zu stellen. Das Problem von Club offenbarte sich beim Spiel in Birmingham abermals: die Abwehr.
Chapeau Genk!
Neben den guten Leistungen der belgischen Klubs in der Europaleague verdient auch der respektable Auftritt von Racing Genk in der Championsleague Erwähnung. Die Limburger empfingen nach der 5-0 Klatsche beim FC Chelsea die Engländer an Allerheiligen im eigenen Stadion. Chelsea, das mit einem Sieg in Genk das Weiterkommen gesichert hätte, konnte über die Genker Gegenwehr zu Beginn sicher nur staunen. Das Team von Trainer Mario Been zeigte weit weniger Respekt als beim Untergang an der Londoner Stamford-Bridge und bot dem Club in Händen des russischen Oligarchen Abramowitsch erstaunlich Paroli.
Chelsea ging zwar erwartungsgemäß in Führung, verlor nach einem verschossenen Elfmeter allerdings den Faden. Goalgetter Jelle Vossen konnte sich somit gut in Szene setzen und für Genk den Ausgleich erzielen. Für ihn, wie er gegenüber dem flämischen Sportkanal Sporza sagte, sei ein Traum in Erfüllung gegangen, in der Championsleague in Tor zu erzielen. Ungeachtet der beachtlichen Leistung darf Genk sich als Letzter mit zwei Punkten kaum mehr Illusionen machen, wenigstens noch den dritten Platz und damit die Teilnahme an der Europaleague zu erreichen. Dafür müssten Siege in Valencia und zuhause gegen Leverkusen her. Und das erscheint sehr unwahrscheinlich.
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