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Von  Heide Newson

Älter als die EU: Peter Schmidhuber

Bayerischer Europäer feiert den 80. Geburtstag in Brüssel

Seinen 80. Geburtstag hatte er im Dezember, groß gefeiert wurde jedoch in Brüssel. Die Rede ist von Peter Schmidhuber, ehemaliges Mitglied der Europäischen Kommission (1987-1995), bayerischer Staatsminister a. D., zu dessen Ehren die Vertretung des Freistaats Bayern bei der EU einen Empfang gab. Der „Vater des Euros“, Deutschlands ehemaliger Finanzminister Theo Waigel, hielt die Festrede.

Im Jahr 1995 hatte sich Schmidhuber, der von 1987 bis 1995 unter dem damaligen Kommissionspräsidenten Jacques Delors in drei Kabinetten in unterschiedlichen Funktionen wie Wirtschaft, Regionalpolitik, Haushalt, Finanzkontrolle, Betrugsbekämpfung, Kohäsionsfonds tätig war, mit einem lachenden und einem weinenden Auge aus Brüssel verabschiedet. Lange hatte man nichts von ihm gehört. Topfit, wenngleich ein wenig älter, meldete er sich nunmehr zurück. Und alle Augen waren auf ihn gerichtet, als er sich mit Theo Waigel unter die Gäste mischte, und mit der Sonne um die Wette strahlte.

Wie ausgewechselt schien der für seine Zurückhaltung bekannte Bayer. Eifrig schüttelte er unzählige Hände, erfreut nahm er Geburtstagswünsche entgegen, während er Komplimente, die sich auf seine Fitness bezogen, mit einem vielsagenden Lächeln quittierte. Ja, er freue sich auf Brüsseler (EU) Boden zu sein, aber dass er privat in München „angekommen ist“, daran ließ er keinen Zweifel. Dabei ist es kein Geheimnis, dass Schmidhuber, der nur ungern im EU-Rampenlicht stand und stets auf dem (bürgerlichen) Teppich blieb, sich (fast) nichts Schöneres, als einen ausgiebigen Spaziergang, Museumsbesuch, Trips in seinem geliebten Wien oder konstruktive Politgespräche mit gescheiten Leuten vorstellen kann.

Verdienste für Bayern

Früher reiste er um die „halbe Welt“, jetzt geht er es trotz eines gefüllten Terminkalenders ein wenig ruhiger an. Dass er als Gesprächspartner nach wie vor stark gefragt ist, ist kaum verwunderlich, wenn man bedenkt, mit welcher Präzision er weiter die Europapolitik verfolgt. Als „europäisches Urgestein im blauen Gewand“, als eines, das große Verdienste für Bayern in Europa erworben habe, bezeichnete Waigel ihn in seiner Festansprache. Unter Schmidhubers Federführung sei nicht nur die Bayerische Vertretung eingerichtet worden, sondern ebenso die Belgisch-Bayerische Gesellschaft, die mittlerweile 300 Mitglieder zählt - eine Tatsache, auf die der 80-Jährige als eines der Gründungsmitglieder sehr stolz ist.

Auch über den Menschen hinter dem Politiker hatte Waigel nur Gutes zu sagen. „Hinter der mürrischen Fassade verbirgt sich ein guter Freund, von diesem Kaliber gibt es nicht viele“, sagte er, und listete auf, in welchen Bereichen Schmidhuber überall seine Spuren hinterlassen hat. Gerecht sei er seiner Verantwortung geworden. „In zehn Jahren werden wir uns hier hoffentlich alle wiedertreffen.“ Nicht zuletzt, da man hier nach wie vor mit „Herr Minister“ und Schmidhuber als "Herr Kommissar“ angeredet werde.

Emotionaler Dank

Es war ein emotionaler Moment, als sich Schmidhuber bei seinen Gastgebern und Gästen bedankte. Das viele Lob freue einen jeden, aber darüber dürfe man nicht die eigenen Fehler vergessen. Selbstkritik sei gut, sie führe schließlich zum Erfolg. Als Höhepunkt seiner Laufbahn sprach er im nachfolgenden Interview mit ZDF-Korrespondent Udo van Kampen über seine „drei Ehen“ mit Jaques Delors, den er als gewieften Taktiker mit einer großen Vision umschrieb. Er habe ihn bewundert, auf der gleichen Augenhöhe sei man gewesen, was man nicht von allen Kommissionspräsidenten sagen könne.

Ganz entspannt nahm er zur EU-Schuldenkrise, den Euro-Rettungsfonds, über ein Kerneuropa oder das Griechen-Problem Stellung. Auf die Frage van Kampens, ob er wie Angela Merkel die Meinung vertrete, falls der Euro scheitern würde, scheitere Europa, sprach er Klartext. Nicht Europa würde scheitern, aber man müsse sich fragen, was danach passiere. Eine klare Aussage, die er im Anschluss an das Interview mit seinen Gästen bei deftigem bayerischen Speis und Trank vertiefte.


Erstellt oder aktualisiert am 29. März 2012.
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