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Von  Tanya Wittal-Düerkoop

110 Jahre Magritte für Brüssel

Die wirkliche und die banale Welt; verwirrend

Der Startschuss für den Umbau des Hôtel Altenloh am Brüsseler Kunstberg zum internationalen Magrittemuseum ist gefallen. Eine riesige Plane mit dem Aufdruck von Magrittes Inkunabel „L’Empire des Lumières“ aus dem Jahre 1954 ziert und inszeniert seit einigen Tagen die Baustelle.

 

Nichts ist so, wie es scheint...

 

Seit 1998 engagiert sich die Brüsseler Magritte-Stiftung unter der Leitung von Charly Herscovici – ein engster Vertrauter der Witwe René Magrittes - bereits für das geplante Magritte-Zentrum im Herzen der Heimatstadt des Malers. Die königlichen Museen als Projektträger, der belgische Föderalstaat, die Stadt Brüssel und der private Sponsor Suez investierten mit der Stiftung Zeit, Kraft, Geld und fuhren ihre gesammelte Kompetenz auf, um im sagenhaften (und hoffentlich nicht surrealen) Count-Down von nur einem Jahr ein internationales Zentrum für den berühmtesten aller belgischen Surrealisten zu schaffen. Es soll einmal mit dem Zentrum Paul Klee in Bern und dem Van-Gogh-Museum in Amsterdam in einem Atemzug genannt werden.

 

Die Arbeiten zum Umbau des historischen Hôtel Altenloh am Brüsseler Kunstberg sind allerdings nur hör- und nicht sichtbar. Eine multidimensionale Plane verdeckt das, was hinter dieser riesigen Kulisse unter Hämmern und Bohren entsteht. Denn die brüchige Fassade des altehrwürdigen Hôtel versteckt sich seit einigen Tagen hinter einem riesigen Remake des Gemäldes „L’Empire des Lumières“ von René Magritte.

 

Tag und Nacht, aus Tag wird Nacht – Was ist Tag? Was ist Nacht?

 

„L’Empire des Lumières“, zu Deutsch „Das Reich der Lichter“ aus dem Jahre 1954 gilt als das berühmteste Werk des Malers. Unter einem taghellen Himmel ein nächtlicher Raum mit einem Haus, dessen linkes Fenster mit elektrischem Licht beleuchtet wird. Die surreale Szenerie dieses täuschend echt gemalten Bildes entfaltet sich für die Betrachtenden erst auf den zweiten Blick: „Im Reich der Lichter habe ich verschiedene Vorstellungen wiedergegeben, nämlich eine nächtliche Landschaft und einen Himmel, wie wir ihn am Tage sehen. Die Landschaft lässt an Nacht und der Himmel an Tag denken. Ich finde diese Gleichzeitigkeit von Tag und Nacht hat die Kraft zu überraschen und zu bezaubern. Ich nenne diese Kraft Poesie“, so Magritte über sein Bild.

 

 

Was ist Tag? Was ist Nacht? Was ist Wirklichkeit? Was ist Traum? Was ist Licht? Was ist Dunkelheit? Magritte zeigt uns mit seinem immensen Schatz malerischer Mittel die Dinge der wirklichen und banalen Welt zwar glasklar und fotografisch exakt, verwirrt sie aber mit seiner poetischen Logik, die alle Dinge in ein ganz neues Licht stellt und sie mit einer fantastisch-mythischen Magie auflädt.

 

Schwierig, ein solches Universum museal und didaktisch zu vermitteln... Brüssel wagt es!

 

Täuschungen und Umkehrungen

 

Magritte liebte Täuschungen. Die Museumsmacher lieben es, mit Magrittes Täuschungen, Verrätselungen, und seinen poetischen Erkundungen ins Reich des Über-Natürlichen zu spielen. Umkehrungen der vordergründigen Wahrnehmung, Subversionen liebte Magritte auch. Der Museumsbesucher wird das in seinem Parcours nacherleben, der im Übrigen im obersten Stockwerk beginnen wird und im Keller endet. Die geplante Museumsarchitektur wird Magrittes Universum der Poesie multimedial und multipolar widerspiegeln. Kleine Gänge im Wechsel mit Sälen, Glasvitrinen, die Biographisches und Studien direkt mit dem zugehörigen Werk konfrontieren. Dazu ein interaktiver Saal, in dem die Kunstliebhaber virtuellen Zugriff auf das gesamte Magritte-Archiv haben werden. Alle Magritte-Fans und alle Magritte-Forscher der ganzen Welt dürfen wirklich gespannt sein.

 

Rund 170 Meisterwerke des Malers sowie Entwürfe, Zeichnungen und Skizzen, Fotos, Filme, biographisches Material und Briefe wird das zukünftige Museum auf rund 2.500 m² versammeln. Es wird die weltweit größte Sammlung von Werken des größten aller belgischen Surrealisten sein. Weitere Schenkungen und Dauerleihgaben von Mäzenen und Sammlern werden natürlich noch erwartet. Bislang haben bereits Louis Scutenaire und Irène Hamoir, beide Freunde von René Magritte, ihre Sammlungen dem zukünftigen Magrittemuseum als Legat in Form einer Erbpacht übergeben.

 

Wann geht das Licht an?

 

Nach einem großen Festwochenende wird das Museum am 9. Juni 2009 im Jahr des einhundertundzehnjährigen Geburtstages von René Magritte seine Türen für die Besucher öffnen. Der Direktor der Königlichen Kunstmuseen, Michel Draguet, erwartet im Eröffnungsjahr zwischen 500.000 und 600.000 Kunstinteressierte, danach hoffentlich noch mehr. Er spricht von einem Touristenmagnet für Brüssel und ganz Belgien.

 

Fotos: Johannes Wachter, Archiv

 

Die Umrüstung des Gebäudes auf ein multimediales und interaktives Magritte-Zentrum wird mehr als 5 Millionen Euro verschlingen. Allein 4,5 Millionen Euro sponsort der belgo-französische Energiekonzern Suez. Das ist das bislang größte Fördervolumen der Suez-Gruppe für den Bereich Kunst. 

 

Weitere Informationen:

Magritte-Stiftung: www.magritte.be

Zukünftiges Magrittemuseum am Brüsseler Kunstberg: http://www.kunstberg.be/de/165

Magrittemuseum, im Wohnhaus des Malers, Rue Essegem 135, Jette: www.magrittemuseum.be


Erstellt oder aktualisiert am 11. Juni 2008.
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